Kinderbücher über den Krieg?

Elzbieta: Floris und Maja

ab 4 Jahren

Floris und Maja: ein Kinderbuch über den Krieg
Bildquelle: Moritz Verlag

Die Nachrichten über Flüchtlinge, Flüchtlingsunterkünfte und Nachrichten über den Krieg reißen nicht ab und erreichen zwangsläufig auch die Kinder. Auch Kinder, die keinen Fernseher daheim haben, bekommen früher oder später etwas von den Schlagzeilen mit. Daran, dass man das verhindern kann, glaube ich nicht. Spätestens beim Kauf der Kinderzeitschrift am Kiosk sehen sie doch die Bilder, die das Titelblatt der Zeitungen "zieren". Spätestens wenn die Kinder nachfragen, entsteht Erklärungsbedarf. Aber wie erklärt man Kindern den Krieg, ohne sie zu erschrecken oder ihnen Angst einzujagen? Wie erklärt man den Krieg kindgerecht? Wie immer, am besten mit guten Kinderbüchern. Also habe ich mich auf die Suche nach einem Kinderbuch über den Krieg gemacht und bin auf "Floris und MajaFloris und Maja: ein Kinderbuch über den Krieg " gestoßen.

Zwei Hasenkinder erleben den Krieg

Floris möchte Maja heiraten, wenn er groß ist und Maja möchte Floris heiraten, wenn sie groß ist. Doch dann kommt der Krieg. Keiner sieht ihn und dennoch geht der Vater fort. Ein hoher Stacheldraht trennt nun Floris und Maja voneinander. Floris darf nicht mehr von Maja sprechen. Der Krieg zieht Stacheldrähte, trennt Freunde und Familien. Dennoch ist er nicht greifbar, gehorcht niemandem und wütet schrecklich. Eines Tages aber ist es plötzlich still. Der Vater kehrt heim und erklärt Floris, dass der Krieg nun schläft, schläft, bis ihn wieder jemand weckt. Der Stacheldraht ist geblieben, doch Maja findet ein kleines Loch und schafft es, zu Floris zu kommen.

Nichts für zarte Gemüter

Beim ersten Lesen, vorsichtshalber ohne Kind, war ich zugegebenermaßen geschockt. Das Szenario ist furchtbar. Ein Krieg, der Freunde trennt und Menschen verletzt, ein monströses Gebilde, das nicht greifbar ist und dem man nicht entrinnen kann. Das jagt Angst ein, auch den Kindern. Kinderbücher, die Angst machen - "Will ich das?", fragte ich mich. Doch wie den Krieg erklären, ohne von seinen Schrecken zu sprechen? Schweigen? Das Thema einfach gar nicht erst ansprechen? Das kommt für mich nicht in Frage. Kinder bekommen mit, was um sie herum geschieht und können mit schwierigen Themen viel besser umgehen, als wir Erwachsenen oft denken. Es kommt einzig darauf an, wie wir darüber sprechen und ob wir ihnen Gelegenheit geben, ihre Fragen und Gefühle zu äußern. Also haben wir das Buch gelesen und ich war überrascht, wie gut mein Kind damit umgegangen ist. Er hat das Thema mit seinen fünf Jahren geradezu aufgesogen und wollte das Buch immer wieder lesen. Das Kinderbuch liefert keine Antworten, es gibt die Gelegenheit zum Reden, gibt Anregungen für Fragen und zugleich für mögliche Erklärungen. Beim Moritzverlag ist es deshalb in der Rubrik "Bücher, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen" zu finden. Wichtig beim Vorlesen ist, das Thema im Nachhinein wirklich aufzuarbeiten und zu besprechen, um keine Ängste zu schüren oder das Kind mit seinen Fragen allein zu lassen. Für uns ist das Buch ein Gewinn und hat mir zudem sehr geholfen, meinem Kind zu erklären, warum ich "schießen" und "Bomben werfen" nicht mag und nicht als spannendes Spiel empfinde.

 

Die Autorin - ein Kriegskind

Nach Angaben des Moritzverlages ist Elzbieta, die Autorin, in Polen geboren. Sie ist im besetzten Elsass aufgewachsen, lebte in England und Paris. Eine Europäerin, die selbst den Krieg erlebt hat und selbst über "Floris und Maja" im Einband des Buches schreibt:

 

"Aufgrund meiner eigenen Erfahrung als Kriegskind soll der Stacheldraht zwischen Floris und Maja nicht nur als psychische und physische Trennung verstanden werden, sondern darüberhinaus jede Art von Willkür und Volksverhetzung symbolisieren."

 

Elzbieta: Floris & Maja. Moritz Verlag, Frankfurt am Main 1994. ISBN 3895650064

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