Vorschule: Kinder auf das Schreibenlernen optimal vorbereiten

Wieso Malen und Schwungübungen im Kindergartenalter wichtig sind

Hier in Spanien gehen Kinder schon mit 3 Jahren in die Schule - in die Vorschule, genauer gesagt. Der Unterschied, wie ich ihn sehe, zu Deutschland ist, dass die Kinder doch sehr viel systematischer auf den tatsächlichen Schuleintritt vorbereitet werden. Mit 4 Jahren beginnen sie mit den ersten Schreibübungen. Mit 5 Jahren fangen sie dann tatsächlich an, die ersten Buchstaben zu schreiben und zu lesen. Das Schöne daran ist, dass das Ganze ohne Druck erfolgt. Ich kann natürlich nicht für alle Schulen und Lehrer sprechen. Aber von 3 Schulen weiß ich ganz sicher, dass die Kinder eher spielend und mit unglaublich viel Kreativität an das Schreiben herangeführt werden. Sie haben feste Stundenpläne und feste Unterrichtszeiten. Und entgegen aller Kritik, Kinder könnten mit 4 Jahren auf keinen Fall eine halbe oder dreiviertel Stunde stillsitzen, klappt das hervorragend. Allerdings verlangt auch niemand, dass sie wirklich so lange stillsitzen. Sie laufen zur Tafel, singen tanzend Lieder, hängen ihre gemalten Bilder selbst an Wäscheleinen auf, die durch den ganzen Klassenraum führen usw. Nun aber zu dem, was ich eigentlich mit euch teilen möchte. Natürlich habe ich mich gefragt, wie ich meinem immerhin nicht muttersprachlichen Kind helfen kann, trotzdem genauso oder zumindest fast so schnell schreiben zu lernen, wie die anderen auch. Ich hatte vorher viel gelesen über Schwungübungen und Graphomotorik. Am meisten aber hat mir letztlich ein Gespräch mit einer Lehrerin geholfen, die seit zwei Jahrzehnten 5-Jährigen das Schreiben beibringt. Tatsächlich konnte ich aus ihr ein paar tolle Tipps herausquetschen...

Schwungübungen mit Tafel und Kreide

Die Grundidee bei der Vorbereitung auf das Schreiben in der Vorschule ist, den ganzen Körper zu "trainieren". Erst, wenn die Bewegungs- und Sinneserfahrungen sowie die Koordination von Auge und Hand es ermöglichen, kann ein Kind auch Schreiben lernen. Das Schreibenlernen ist also keinesfalls reine "Kopfsache". Hinzu kommt dass Kinder lernen müssen, den Stift im Dreipunktgriff zu halten, was anstrengender ist, als wir es uns manchmal vorstellen und Kraft in den kleinen Fingern erfordert. Am besten trainieren Kinder dies alles, indem sie so viel wie möglich zeichnen. Mit dem Finger Spuren im Sand malen, Straßenkreide, Malblöcke und viele Stifte in unterschiedlichen Formen und Farben ermöglichen es den Kindern, die Erfahrungen zu sammeln, die sie benötigen. Es gibt zudem spezielle Schwungübungen, die man in Übungsheften kaufen oder im Internet herunterladen kann. Die sind aber nicht unbedingt nötig, vor allem dann nicht, wenn das Kind keinen Spaß daran hat.

 

Wie haben unsere Kiste voller Stifte und Malblöcke um ein paar Dinge ergänzt, die ich euch nun im einzelnen vorstellen möchte. Zunächst einmal habe ich eine einfache Tafel für das Kinderzimmer gekauft. Ja, ja, ich weiß. Solch eine Kindertafel haben schon ganz viele im Kinderzimmer, weil fast alle Kids Spaß daran haben. Mich hat, ehrlich gesagt, immer die Kreide gestört. Sie krümelt, staubt und hinterlässt am Ende überall ihre Spuren. Dafür hatte unsere Lehrerin tatsächlich DIE Lösung parat. Es gibt inzwischen staubfreie Kreide. Sie wurde vor allem deshalb entwickelt, weil die Atemwegserkrankungen stark zunehmen und der Kreidestaub im Klassenzimmer eine echte Katastrophe für Asthmatiker ist. Ich habe die Kreide von Jovi gekauft und bin begeistert. Sie staubt selbst bei den ausgedehntesten Mal-Sessions nicht und lässt sich trotzdem wieder leicht abwischen.

 

Schwungübungen spielerisch verpacken

Wie bereits erwähnt, machen Schwungübungen nicht jedem Kind Spaß. Sie lassen sich aber so spielerisch verpacken, dass die Kinder gar nicht merken, dass es sich um Schwungübungen handelt. Gerade Striche, Punkte, Kreise, Wellen, Zickzacklinien - sie alle helfen später, die Buchstaben schreiben zu lernen. Wir haben mit den Schwungübungen eine selbstgemachte Rassel verziert.

 

  • Dazu nehmt ihr die Papprolle einer Küchenrolle und bittet euer Kind für die Verzierung ein Blatt mit Schwungübungen zu schmücken. Bittet es einfach, eine Reihe Kreuze, eine Reihe Wellenlinien, eine Zickzacklinie usw. zu machen, bis das Blatt voll ist.
  • Dann stellt ihr die Rolle auf ein buntes Blatt und umfahrt mit einem Bleistift den Rand. Um den so entstandenen Kreis malt ihr einen weiteren, den ihr ausschneidet und bis zum Mittelkreis mehrfach einschneidet. So erhaltet ihr einen Deckel. Auf den mit Einschnitten versehenen Kreis gebt ihr Klebstoff, stellt die Papprolle auf den Mittelkreis und klebt die Einschnitte nun an der Rolle fest.
  • Die Papprolle füllt ihr mit Linse, Reis oder Bohnen.
  • Nun schließt ihr die Rolle mit einem weiteren "Deckel".
  • Wir haben mehrere solcher Rasseln angefertigt und sie mit unterschiedlichen Hülsenfrüchten gefüllt.

Verschiedene Stifte anbieten

Wichtig zum Lernen des Dreipunktgriffes ist, dass ihr anfangs immer darauf achtet, dass euer Kind den Stift richtig hält. Einmal falsch gelernt, ist es schwer, das wieder herauszubekommen. Am Anfang fällt es Kindern leichter, breite Stifte mit der Dreipunkthaltung zu halten. Wir haben beispielsweise gute Erfahrungen mit den Lamy Plus Buntstifte gemacht, die wir von einer lieben Freundin geschenkt bekommen haben und die in einer tollen Stoffrolle verpackt sind. Diese Stifte sind sehr weich und besonders gut auch für Kinder geeignet, denen noch etwas die Kraft in den Fingern fehlt.

 

Die Stockmar Wachsmalstifte aus Bienenwachs begleiten uns, seitdem mein Kind ein Jahr alt ist und ich werde euch bestimmt öfter damit in den Ohren liegen, so gern mag ich sie. Sie sind ebenfalls etwas breiter und halten unglaublich viel aus. Uns sind sie jedenfalls noch nie zerbrochen und sie haben mehr ausgehalten, als zum Beispiel die Maltropfen, die besonders für kleine Kinder geeignet sind.