Ein imaginärer Freund aus dem Kinderbuch

Brigitte Endres und Marc-Alexander Schulze: "Mein Freund das Krokodil"

ab 4 Jahre

 Seit etwa seinem dritten Geburtstag wurde mein Kind nahezu jeden Tag von seinem imaginären Drachen zum Kindergarten begleitet. Er folgte uns, wenn wir mit dem Fahrrad unterwegs waren, passte daheim auf die Spielsachen auf und versteckte sie vor anderen Kindern oder war auf dem Spielplatz mit dabei. Vor allem, wenn Konflikte ins Spiel kommen, ist der imaginäre Freund noch immer ganz wichtig. Genauso geht es auch Toni in dem Kinderbuch "Mein Freund, das Krokodil".

 

Viele Eltern fragen sich, wie sie mit dem Phantasiefreund ihrer Kinder umgehen sollen und ob es normal ist, einen zu haben. Wie die pädagogisch korrekte Antwort auf diese Frage lautet, weiß ich nicht. Ich persönlich habe mein Kind von Anfang an in seiner Phantasie unterstützt, ganz einfach weil ich gemerkt habe, wie sehr ein solcher Phantasiefreund den Alltag erleichtern kann. Vor allem die Vorstellung, im Kindergarten nicht allein zu sein, sondern seinen Freund dabei zu haben, hat meinem Kind viel Angst genommen und Mut gemacht.

 

Ein Phantasiefreund macht Mut

Toni wird von seiner Mama auf den Spielplatz geschickt. Allerding ist es gar nicht so einfach, dorthin zu gehen. Denn auf dem Spielplatz wird Toni immer von Ben und Leo geärgert. Die beiden sind stärker als Toni und er hat noch nicht einmal einen Freund, der ihm zur Seite steht. Noch im Treppenhaus begegnet Toni plötzliche einem großen Krokodil, das weit seinen Rachen aufreißt. Wie gut, dass dem Krokodil die Pfefferminzbonbons, die Toni in der Tasche hat schmecken! Er wirft ihm eines davon ins Maul und wird daraufhin auf Schritt und Tritt von dem Krokodil begleitet. Auf dem Bürgersteig machen Toni die Menschen Platz, der gefährliche Hund haut ab und Ben und Leo rennen davon. Zu Hause allerdings muss Toni langsam Abschied von seinem neuen Freund nehmen. Doch etwas hat es Toni da gelassen - die Fähigkeit, so richtig überzeugend "Uahh!" zu rufen.

 

"Mein Freund das Krokodil" ist ein Kinderbuch, das einfühlsam und phantasievoll mit dem Thema Angst umgeht. Die Idee des imaginären Freundes entspricht der naturgegebenen Vorstellungswelt des Kindes und unterstützt Kinder, eigene Lösungen für emotional und sozial schwierige Situationen zu finden. Die Illustrationen sind ausdrucksstark, detailreich und farbenfroh, ohne vom Inhalt des Erzählten abzulenken. Das Kinderbuch geht mit dem Thema "Angst" so freundlich um, dass es sich für Gesprächsansätze hervorragend eignet.

 

Brigitte Endres, Marc-Alexander Schulze: Mein Freund das Krokodil. NordSüd, Zürich 2009.

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