Kinderbuch-Klassiker aus der DDR

Franz Fühmann: "Vom Moritz, der kein Schmutzkind mehr sein wollte"

ab 5 jahren

"Vom Moritz, der kein Schmutzkind mehr sein wollte" ist ein DDR-Kinderbuchklassiker, den ich schon als Kind gelesen habe. Inzwischen ist es eines der Lieblings-Kinderbücher im Regal meines Sohnes und ich möchte es euch natürlich nicht vorenthalten. 

Das einzige Kinderbuch in unserem Regal, das vom Lesen fast auseinanderfällt...
Das einzige Kinderbuch in unserem Regal, das vom Lesen fast auseinanderfällt...

Der Inhalt des Kinderbuches

Moritz wohnt in einem Kinderheim (anscheinend ein Wochenkinderheim), das außen gelb und innen violett ist. Moritz wohnt hier zusammen mit anderen Kindern, darunter Bärbel und Claus. Die Kinder mögen ihr Kinderheim und sind gern dort. Es gibt jedoch eine Sache, die Bärbel und Claus Sorgen bereitet: Moritz ist ein Schmutzkind. Er mag sich nicht waschen, putzt seine Zähne nicht, hat zotteliges, ungekämmtes Haar, schmutzige Schuhe und schmutzige Kleidung. Als eines Tages der König mit der goldenen Krone auf dem Kopf auftaucht, um um Hilfe für seine Tochter, die Prinzessin Rosenblatt zu bitten ist klar, dass Moritz bei der Rettung auf keinen Fall dabei sein darf. Er ist viel zu schmutzig. Moritz aber bettelt so lange, bis er doch mit darf. Zusammen mit Bärbel und Claus macht er sich auf den Weg ins Märchenland. Kurz bevor sie das Märchenland betreten, trennen die drei Kinder sich. Jedes muss seinen eigenen Weg gehen, jedem stehen andere Aufgaben bevor, die es lösen muss, um die Prinzessin zu befreien. Moritz, der sich um nichts in der Welt von seiner Vorliebe fürs Schmutzigsein abbringen lassen will, landet schließlich bei der Schmutzhexe, die ihn mit ins Schmutzland nehmen will. Wie gut, dass dabei die Kinder aus dem Kinderheim auch noch ein Wörtchen mitzureden haben...

 

Ein Kinderbuch mit Erklärungsbedarf

Als sich mein Kind eines Tages mit sicherem Griff das alte, zerfledderte Kinderbuch aus dem Schrank zerrte, war ich sicher: Ein Blick hinein und er würde sofort das Interesse verlieren. Pustekuchen. Seit dem ersten Vorlesen ist das Buch ein Dauerbrenner. Nicht alles darin kommt ohne elterliche Erklärungen aus. Wörter wie "Krieg" oder "Bombe" sind heute zeitgemäß wie nie, sollten aber meiner Meinung nach nicht unkommentiert bleiben und die Drohung von Moritz, eine Bombe ins Märchenland zu werfen, hat bei uns zu vielen Gesprächen geführt. So normal, wie das Leben im Kinderheim im Buch wirkt, ist es aus heutiger Sicht natürlich auch nicht. Ich musste meinem Kind mehrfach erklären, was ein Kinderheim ist und habe versucht, dieses Thema so sensibel wie möglich zu gestalten. Nichtsdestotrotz wird "Moritz" von uns heiß geliebt. Die Zeichnungen, mal farbig, mal schwarz-weiß, sind detailgenau und phantasieanregend. Nie unterschätzen sie die Vorstellungskraft des Kindes. So gruselig die Hexe auch aussehen mag, ein freundliches Zwinkern liegt in ihrem Blick und warme, fröhliche Lichter, die die Prinzessin Rosenblatt umgeben, holen die Kinder, ob in Buch oder auf dem Schoß des Vorlesers wieder in die heile Welt zurück. Ein echtes, modernes DDR-Märchen von Franz Fühmann, einem der bekanntesten und beliebtesten Autoren der ehemaligen DDR.

 

Franz Fühmann: Vom Moritz, der kein Schmutzkind mehr sein wollte. Berlin: Kinderbuchverlag Berlin 1961.

 

Kurzinfo: 

 

In Kinderwochenheimen kamen Kinder zwischen 3 und 6 Jahren unter. Für Alleinerziehende, Studenten und Beschäftigte im Schichtdienst waren Kinderwochenheime die Alternative zum Kindergarten, um Kind und Beruf miteinander vereinbaren zu können. Für kleinere Kinder zwischen 6 Wochen und 3 Jahren gab es Wochenkrippen. 

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