Ein klares Wort zu Flüchtlingen

In mir rumort es. Heftig. Seit langem. Eigentlich hatte ich beschlossen, mich nicht zu dem Thema zu äußern. Aber heute bin ich auf die Aktion "Blogger für Flüchtlinge" gestoßen und weil ich beim Schreiben fast so schnell bin wie beim Reden, mache ich nun doch den Mund auf.

 

Zugegeben, ich habe es einfach. Ich sitzte mit meinem Kind im schönen Spanien, weit weg von Köln und Berlin und all den anderen Orten, die so offensichtlich von der Flüchtlingskrise betroffen sind. Das macht es einfach, über all jene zu urteilen, die sich gegen die Aufnahme der Flüchtlinge äußern. Die Forderung nach "kontrolliertem Einreisen" kann ich noch verstehen. Es wäre auch nicht fair, dagegen von hier aus aufzubegehren. Aber für all jene, die fordern, Menschen, seien es Kinder, Frauen oder Männer, in Kriegsgebiete zurückzuschicken, habe ich kein Verständnis. Natürlich kann ich die Angst verstehen, die nach Köln umgeht, aber ich kann nicht verstehen, wenn jemand meint, Flüchtlinge hätten keine soziale Unterstützung verdient. Ja, auch in Deutschland gibt es Armut. Meiner Meinung nach oft viel zu versteckt. Und viel zu groß ist die Lücke zwischen jenen, die viel haben und jenen, die zu wenig haben. Aber auch all jene, die jeden Cent umdrehen müssen, müssen in Deutschland nicht Hunger leiden. Sie müssen nicht auf der Straße sitzen und sie müssen ihre Kinder nicht im Winter durch eiskaltes Wasser schleppen oder sie der Todesgefahr aussetzen, in der Hoffnung, sie am Leben zu erhalten.

 

Hier in Spanien ist Armut viel sichtbarer. In den Eingängen der Banken schlagen Menschen nachts ihre Pappen auf, um hier zu übernachten. Ganze Familien haben während der Krise ihre Häuser verloren und standen vor dem Nichts. Vor gefühlt mindestens jedem zweiten Supermarkt sitzen Better. Vor dem Bäcker auch. Ich selbst bin sicher kein großer Helfer. Aber wenn ich gegen etwas allergisch bin, dann sind es Ausgrenzung und Rassismus. Von uns bekommen Bettler in der Regel auch kein Geld. Aber mein Kind habe ich zu Mitgefühl erzogen und wir teilen, was wir haben. Wenn er sich im Supermarkt Kekse aussuchen darf, was definitiv nicht immer der Fall ist, öffnet er am Ausgang die Packung, geht zu dem Menschen, der draußen auf dem harten Boden sitzt und auf jeden Pfennig hofft, und teilt seine Kekse mit ihm. Mit einem Lächeln. Mit Freude. Mit fünf Jahren weiß mein Kind, dass jeder im Leben Glück oder Pech haben kann, dass man vielleicht selbst nicht genug Geld hat, um es zu teilen, aber dass es immer etwas gibt, das man teilen kann - und seien es die heiß ersehnten Kekse oder ein Stück Schokolade. Der Bettler, der jeden Tag vor dem Supermarkt sitzt, grüßt uns mittlerweile freundlich. Und selbst wenn wir nichts zum Teilen haben, bekommt er zumindest ein freundliches, anerkennendes, höfliches Lächeln und einen Gruß zurück. Ein Lächeln, das ist nämlich auch ein Geschenk, das wir nicht täglich bekommen. Das Leuchten in den Augen meines Kindes, wenn er helfen darf, hat in mir viel bewegt und ich hoffe von ganzem Herzen, dass er niemals verlernt, anderen Menschen gegenüber diesen Respekt und dieses Mitgefühl zu zeigen. Ich selbst jedenfalls möchte nicht durch Forderungen wie "Schließt die Grenzen" dafür verantwortlich sein, dass Menschen in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt werden, um dort zu sterben!

 

Wie ihr helfen könnt

Mein Kind war etwa zwei Jahre alt, als wir das erste Mal auf Flüchtlinge gestoßen sind. Wir kamen zum Spielplatz und uns viel gleich eine Familie auf, die allein in einer Ecke des Spielplatzes saß. Das war ungewöhnlich, denn der Spielplatz war voll. Doch um diese Familie herum war ein regelrechter freier Kreis. Zur Freude meines Sohnes. Denn dieser stürmte sofort auf die drei kleinen Kinder zu, die auf dem vollen Spielplatz so viel Platz für sich hatten. Wir packten sein Sandspielzeug aus und die Kinder spielten sofort zusammen. Mit den Eltern bin ich schnell ins Gespräch gekommen und kann mich noch heute gut an die beiden erinnern. Sie war von oben bis unten in wunderschöne Stoffe gehüllt. Er packte das Essen aus, dass sie dabei hatten und akzeptierte keine Widerrede, als ich dankend ablehnte. Bevor die Kinder essen durften, sollte ich mir etwas nehmen. Bis heute wird mir komisch bei der Erinnerung an die Dankbarkeit der Frau, weil wir mit ihren Kindern spielten. Es gab keinen Grund mir zu danken! Ich habe mich gefreut, jemanden zum Reden zu haben und die Kinder haben toll miteinander gespielt. Aber ihr seht, man kann helfen, indem man akzeptiert! Indem man auf den anderen zugeht, ihn anlächelt, mit ihm spricht. Helfen gegen Einsamkeit, gegen Ausgrenzung und mit Toleranz.

 

Wollt ihr gern mit Sachspenden oder mit Geldspenden helfen, könnt ihr das natürlich auch tun. Schaut einfach in die Rubrik Spenden von "Blogger für Flüchtlinge". Dort findet ihr mehr Informationen. Hier in Spanien haben wir Mütter uns untereinander so organisiert, dass jeder, der Informationen zu Spendensammlungen für Flüchtlinge erhält, das in der "Whats App Müttergruppe" postet. Wer dann zum Spendenpunkt geht, nimmt die Sachen der anderen einfach mit. Der Vorteil daran ist, dass immer genau das gesammelt wird, was gerade gebraucht wird. Im Herbst waren das dicke Jacken, vor Kurzem gebrauchte Turnschuhe. Und vor allem: fragt, fragt, fragt! Selbst aktiv zu werden im Alltag, der mit Kind, Arbeit und allem drum und dran ohnehin schon stressig ist, ist schwer. Am Ende gibt es aber immer jemanden, der sich engagiert und den man dabei unterstützen kann. Und ganz ehrlich, wer hat nicht ein paar Kinderschuhe im Schrank, die wenig getragen wurden, ein Buch, das schon lange ausgelesen ist oder ein paar Cent für eine neue Zahnbürste, die halt beim nächsten Einkauf im Supermarkt mit anfällt?

 

Informationen für Kinder

Neulich entdeckt habe ich bei ZDF tivi schöne Sendungen für Kinder zum Thema "Flüchtlinge". Hier wird kindgerecht erklärt, was Flüchtlinge überhaupt sind, woher sie kommen und wie man ihnen sinnvoll helfen kann. Ein toller Tipp einer der Sendungen ist auch, mit Flüchtlingen zusammen zu basteln. In Flüchtlingsunterkünften werden öfter Bastelaktionen oder -gruppen organisiert. Vielleicht habt ihr ja Lust, mit euren Kindern zusammen dort mal einen Bastelnachmittag zu organisieren?

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Sandra Schindler (Samstag, 19 März 2016 16:05)

    Sehr schöner Beitrag. Hat mich sehr berührt!

  • #2

    Sabrina (Samstag, 19 März 2016 18:36)

    Danke, Sandra! Mir lag das schon ewig auf dem Herzen.