Regenbogenfamilien haben es schwer

Heute möchte ich über ein Thema schreiben, das mich schon lange bewegt. Gestern bin ich in der Süddeutschen Zeitung über einen schönen Artikel zur Regellosigkeit bei der Elternschaft gestoßen. Eltern, das sind schon lange nicht mehr nur die typischen heterosexuellen Paare. In der ganzen Welt ist es inzwischen schon fast normal, dass auch homosexuelle Paare, ob Mann oder Frau, Kinder bekommen. Leicht macht es ihnen dabei jedoch weder die Gesellschaft noch das Recht. Ich hatte vor einiger Zeit das Glück, ein befreundetes Paar auf einem Stück seines Weges zur Regenbogenfamilie als Journalistin begleiten zu können. Entstanden ist eine Reportage, die ich euch heute gern vorstellen möchte. Ich selbst freue mich über dieses wundervolle, tolle Kind, das auf diese Art auf die Welt gekommen ist und heute das Leben meiner Freunde und vieler anderer Menschen bereichert und ich bin dankbar, dass ich so viel über die schwierige Situation lernen durfte, in der sich homosexuelle Paare befinden, die sich ein Kind wünschen. Die Namen der beteiligten Personen wurden zum Schutz ihrer Privatsphäre geändert. 

Private Samenspende

Der unsichere Weg zur Regenbogenfamilie

Susanne K. liegt auf dem Rücken in einem Bett in einem Hotelzimmer. Unter das Becken hat sich die zierliche, kleine Blondine ein Kissen geschoben. Das soll den Spermien, die sie gerade von einem privaten Samenspender erhalten hat, helfen, den Weg zur Eizelle zu finden. Sie will jetzt nur eines: Zusammen mit ihrer Freundin Beate endlich eine richtige Familie werden, eine Regenbogenfamilie.

 

Seit drei Jahren ist Susanne nun schon mit ihrer Lebensgefährtin Beate zusammen. Den Wunsch, ein Kind zu bekommen, hatten sie beide. Den Weg einer natürlichen Befruchtung wollten sie dabei nicht gehen. „Ich wollte meine Freundin nicht betrügen und hätte es auch nicht ertragen, wenn sie mit einem Mann geschlafen hätte“, erzählt Susanne. Hinzu kommt, dass ein einmaliger Geschlechtsverkehr keine erfolgreiche Befruchtung garantiert. In Frage kam für die beiden Frauen demnach nur eine künstliche Befruchtung. Die Kosten hierfür übernehmen Krankenkassen in Deutschland jedoch anteilig ausschließlich dann, wenn es sich bei dem Paar mit Kinderwunsch um Eheleute und bei der Methode um die sogenannte homologe Insemination handelt. Hierbei erfolgt die Befruchtung mit den Spermien des Partners.

 

„Dass eine künstliche Befruchtung für uns nicht einfach wird, haben wir ganz schnell gemerkt“, berichtet Susanne. Die erste Hürde hierbei stellen für gleichgeschlechtliche Paare die berufsrechtlichen Regelungen für Ärzte und Ärztinnen dar. Nach der „(Muster-)Richtlinie zur Durchführung der assistierten Reproduktion“ der Bundesärztekammer aus dem Jahr 2006 sollen „Methoden der assistierten Reproduktion [...] unter Beachtung des Kindeswohls grundsätzlich nur bei Ehepaaren angewandt werden“. Bei der Verwendung von heterologem Samen, also solchem, der nicht vom Partner, sondern einem Dritten stammen, soll die Ärztin/der Arzt zudem „die Identität des Samenspenders und die Verwendung der Samenspende dokumentieren“.

 

Nach Angaben von Pro Familia, dem führenden Verband zu Sexualität, Partnerschaft und Familienplanung, entscheiden sich viele lesbische Paare, die an den Samen aus deutschen Samenbanken nur schwer herankommen, für eine Samenbank in Dänemark. Susanne und Beate aber, die beide als Leiharbeiterinnen in einer Produktionsfirma tätig sind, hätten sich eine Reise nach Dänemark gar nicht leisten können. „Damit ist es ja nicht getan“, meint Susanne. „Schließlich kostet nicht nur die Befruchtung Geld. Wir wollten ein schönes Kinderzimmer und nicht schon an den ersten Ausgaben für das Baby scheitern!“ Sie erhalten schließlich von einer lesbischen Freundin den Tipp, sich doch mal im Internet nach Samenbanken umzuschauen. Gelandet sind sie hierbei auf einer Seite, auf der Männer privat ihre Spermien anbieten. Beate kramt in Susannes Tasche und holt ein paar Ausdrucke hervor. „Das hier stammt von einigen Männern, die sich für eine Spende angeboten haben.“ Beate zeigt das Papier. „...(formal) verheirateter Mann würde gerne Vater werden, (für vieles offen)“, heißt es hier zum Beispiel. „Stehe euch bereit, entweder naturell oder künstlich“, schreibt ein anderer Mann. „An Angeboten hat es nicht gemangelt“, erzählt Susanne schmunzelnd. „Ein Anbieter, der anfangs ganz nett klang, wollte mich sogar dazu drängen, mit ihm zu schlafen. Meine Freundin könne dabei ruhig zugucken. Als ich meinte, ich wollte nur die Spermien haben, wurde er richtig aufdringlich und sagte, so würde das nie was werden. Wer ein Kind wolle, müsse dafür schon Sex haben.“ Susanne blieb standhaft. Sie hatte sich für eine Befruchtung nach der Bechermethode entschieden und blieb dabei.

 

Im Bad des Hotelzimmers liegt auf dem Rand des Waschbeckens eine leere Plastikspritze. „Den Samen hat der Spender direkt hier hineingespritzt.“, erklärt Susanne. Die Spritze hat von ihrem Arzt bekommen. Samen, der von ihrem Freund stammt, hätte dieser ihr ohne Weiteres injizieren können. Mit dem vom unbekannten Spender sah es schon schwieriger aus, denn die Lage für Ärzte ist unsicher. Neben den berufsrechtlichen Risiken sehen sie sich der Gefahr gegenüber, auf Unterhalt verklagt zu werden. Die Spritze, die Susanne verwendet hat, um sich den Samen zu injizieren, ist steril. Wie aber steht es mit dem Sperma selbst? Auf diese Frage hin zuckt sie mit den Schultern. Sie weiß weder, ob der Samen frei von Krankheiten, wie HIV ist, noch kennt sie den Namen des Spenders. „Wir wollten ihn gar nicht wissen. Erstens ist es leichter, einen Spender zu finden, wenn er weiß, dass er nie wegen Unterhaltszahlungen belangt wird. Zweitens hat ein Mann in unserer Familie nichts zu suchen.“, konstatiert Beate.

 

Die beiden haben Glück. Wenige Wochen später steht fest, Susanne ist schwanger. Sie und das Baby in ihrem Bauch sind gesund. Für die kleine Regenbogenfamilie beginnt eine ganz normale Schwangerschaft. Sie überlegen nun, ob Beate das Kind, wenn es geboren ist, so schnell wie möglich adoptiert. Eine Entscheidung, von der Susannes Beraterin beim Jugendamt ihr eindringlich abrät. Bei den Komplikationen, die eine solche Stiefkindadoption mit sich bringe, solle sie sich genau überlege, ob sie das wirklich wolle. 

 

Bildquelle: pixabay.com

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