Der böse liebe Wolf

von Christine Naumann-Villemin und Annick Masson

ab 3 jahren

Es hätte ein so schöner Abend werden können! Doch dann klopft es an der Tür der Schriftstellerin. Davor steht der böse Wolf - schon wieder! Er fordert Gerechtigkeit. Auch er, findet der Wolf, unterstützt von seinen Kameraden, den Hexen, Geistern und Albträumen, hat ein Recht auf Liebe. Wie aber verwandelt man den bösen Wolf in ein liebenswertes Geschöpf? 

 

Der bekannte Bösewicht aus vielen Kinderbüchern - der Wolf - will endlich lieb gehabt werden!
Bildquelle: J. P. Bachem Verlag

Dieses Kinderbuch könnt ihr direkt beim Verlag oder aber auch bei Amazon erhalten.

Der Wolf will also lieb werden. Wie soll denn das nur gelingen. Die Schriftstellerin hat nun einiges zu grübeln und schickt den Wolf erst einmal nach Hause. Keine Frage - ein Plan muss her! Wie gut, dass Schriftstellern über Nacht oft die besten Ideen kommen! 

 

Wie der böse Wolf besänftigt wird

Es ist ganz klar, der Wolf muss in Sanftmut gebadet werden. Ob es der Schriftstellerin wohl gelingt, den Wolf mit Operngesang zum feinen Herrn werden zu lassen? Ob ihn Yoga- und Entspannungsübungen besänftigen und, zusammen mit gekürzten Krallen, davon abhalten, andere zu beißen? Zunächst sieht alles danach aus und sogar als der Wolf von den Kaninchen auf die Probe gestellt wird, beweist er eine heldenhafte Geduld. Doch dann wartet eine große Überraschung auf die Schriftstellerin - und auf die Leser!

 

Helden und Antihelden im Wandel

"Der ist nicht lieb, der hat nur Hunger!", rief meine kleine Leseratte schon beim gemeinsamen Lesen des Buchtitels aus! Und das, obwohl liebe Hexen, mutige Monster, freundliche Krokodile und sanftmütige Drachen bei uns einen festen Platz im Bücherregal haben. Dennoch sitzen die Klischees anscheinend tief und Antihelden, wie der Wolf, scheinen auf ewig in ihre Rolle verbannt. Kinder lieben es, wenn die Welt sich nach festen Regeln abspielt, sich Charaktere einordnen lassen und alles damit ein bisschen leichter zu verstehen und zu erfassen ist. Auf dem Spielplatz sieht das dann bei vielen Kinder so aus, dass der Junge, der öfter zutritt oder das Mädchen, das gern mal beißt, eben "böse Kinder" sind. Wir Erwachsenen wissen, dass es so einfach oft nicht ist und "Der böse liebe Wolf" bietet eine von vielen Möglichkeiten, festsitzende Klischees einmal spielerisch ins Rollen zu bringen. Auch mein Kind hat bei dem Satz "Eigentlich hat doch jeder ein Recht auf Liebe, oder etwa nicht?" Verständnis für den Wolf entwickelt und spannend verfolgt, wie der Bösewicht versucht, sich zu ändern. Begleitet wird die Geschichte von witzigen Bildern, die mit sanften Farben und zugleich witzig und ausdrucksstark gestaltet sind. Angst vor dem bösen Wolf muss in diesem Kinderbuch, das von spannenden Dialogen geprägt ist und ein besonders ausgewogenes Text-Bild-Verhältnis aufweist, niemand haben. An vielen Stellen laden die Illustrationen zum Schmunzeln ein und schnell identifiziert sich der Leser mit dem liebenswerten Bösewicht. Leser, die sich mit dem Wolf identifizieren können, werden den Scherz, den das unerwartete Ende mit sich bringt, sofort begreifen und das Leseerlebnis mit einem fröhlichen Überraschungseffekt beenden. Vor allem kleinere Kinder könnten sich über das Ende der Geschichte jedoch auch erschrecken und brauchen, um den Witz darin zu erfassen, vielleicht ein wenig Hilfe ihrer Eltern.

 

Christine Naumann-Villemin, Annick Masson: Der böse liebe Wolf. J. P. Bachem Verlag, Köln 2017. ISBN 978-3-7616-3190-4

 

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0